Juli 2025 – Angekommen! Angekommen?

Was hat sich bewährt? Was nicht? Unsere Erfahrungen und ein erstes Fazit – Teil I

„In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten.“

Albert Einstein

Mit dem Ankommen im „normalen“ Leben haben wir uns ganz schön schwergetan. Diese Erfahrung kannten wir schon nach unserer ersten langen Motorradreise vor 9 Jahren. Trotzdem erwischte uns der Zuhause-Blues… Zwar hat alles wunderbar geklappt. Wir haben unsere Wohnung wieder wie abgesprochen zurück übernommen. Es gab keine größeren Katastrophen. Jürgens Kollegen bei www.4wheel24.de fragen ihn: „Ja sowas. Ist denn schon ein Jahr rum???“… 

Mittlerweile ist das drei Monate her. Wir genießen unsere schöne Wohnung, den Garten, den Frühling und den phantastischen Sommer hier. Wir sind angemeldet, krankenversichert und zahlen wieder unsere Fernsehgebühren. Jürgen arbeitet wieder. Nelly ist kerngesund, wissbegierig und hat sich eingelebt. Neue Reisepläne spuken in unseren Köpfen…

Alles wirkt so als wären wir nie weg gewesen.

Wir sind angekommen, und doch, irgendwie fühlen wir uns wie Fremde hier.

Zeit, unsere Reise noch einmal zu reflektieren.

Unsere Erfahrungen und Erkenntnisse daraus wollen wir hier mit euch teilen.

  1. Das Fahrzeug

Unser Stony ist innerhalb der Klasse der sogenannten Expeditionsmobile eher klein, im Vergleich zu Allradsprinter oder Landroverklasse ganz schön groß. 

Würden wir das wieder so machen? Ganz klar: JA. 

Größer muss das Fahrzeug für uns nicht sein, kleiner möchten wir es nicht. Stony ist wendig und kompakt. Wir kommen problemlos auf einen Supermarktparkplatz und haben ein komfortables Tinyhouse mit allem was wir brauchen. Auf langen Reisen ist es für uns schon wichtig, sich wirklich zu Hause und wohlzufühlen. Ein Jahr lang 24/7 zusammen auf engem Raum zu leben, klappte so für uns wunderbar.

Das Fahrverhalten unseres Stony ist phantastisch. Das liegt in erster Linie an Jürgens professionellem Zwischenrahmen (zu diesem Thema schreiben wir einen extra blog). Die Kabine aus Alu ist toll und hat sich bewährt. Hier hat sich der Karosseriebaumeister Jürgen richtig ausgetobt. Die neuen Blattfedern, eingebaut noch vor der Reise, waren ein echter Game Changer – danke Tobi für die guten Tipps.

Stony mit seinen 4 Zylindern und gerade mal knapp 200PS fährt gut. Im Schnitt brauchen wir 22 bis 25 Liter auf 100 km, im Gelände auch schon mal mehr. Jeglichen Diesel jeder Qualität hat der Motor klaglos geschluckt.

In unserem Tinyhouse haben wir uns wohl gefühlt und finden die Raumaufteilung immer noch perfekt (für uns). Wir vermissen nichts, nicht mal eine Waschmaschine. Weglassen würden wir beim nächsten Mal die Bücher. Wir hatten unterwegs keine Zeit zum Lesen, und ein Kindle ist sowieso dabei. Unser kleiner Luxus, eine Siebträger Kaffeemaschine, ist das einzig wirklich Unvernünftige, aber auch das würden wir so wieder einbauen.

Wasser / Abwasser

Mit 300 Litern Frischwasser, der Tank auf Maß gefertigt und unter dem Bett frostsicher verbaut, sind wir gut klargekommen, auch längere Wüstentouren sind damit machbar. Wir nutzen dieses Wasser nur zum Duschen und Abwaschen, maximal zum Kochen, und trinken ausschließlich Flaschenwasser, welches es wirklich überall zu kaufen gibt. Der Abwassertank (nur Grauwasser) ist mit 90 Litern etwas knapp, passte aber nur in der Größe in den Zwischenrahmen. Wir haben uns mittlerweile arrangiert und entleeren ihn wann immer es möglich ist. Eine spezielle Entsorgungsstation brauchen wir dafür nicht, ebenso wenig wie für unsere

Trockentrenntoilette (von Trelino Origin L, keine bezahlte Werbung)

Diese war für uns Neuland und wir waren vor dem Kauf lange Zeit skeptisch. Was sollen wir sagen? Sie hat uns restlos überzeugt! Einfaches Prinzip, keinerlei Schnickschnack, kein Rühren, Einschweißen oder irgendwelche elektronischen Funktionen, deren Sinnhaftigkeit sich uns beim besten Willen nicht erschließen wollen. Stabiles Plastik, das sich gut reinigen lässt. Das ist wichtig. Holz ist hier definitiv ungeeignet, denn man muss den Korpus und alle Teile auch einmal gründlich reinigen können. Die Entsorgung von „Groß“ und „Klein“ ist überall problemlos möglich, auch und gerade in der freien Natur, da es keine Chemie und für das „große Geschäft“ biologisch abbaubare Beutel gibt. Keine, wirklich keinerlei Gerüche, auch ohne Streu (die es zusätzlich zu kaufen gibt, die wir aber nicht mithatten und auch nicht gebraucht haben). Wir haben den Toiletten-Korpus mit einem Magneten ausgestattet und ihn so im Bad bombenfest an der Wand befestigt, so dass auch bei ärgstem Offroad-Fahren nichts schiefgeht, man aber trotzdem die gesamte Toilette herausnehmen kann um sie gründlich zu reinigen.

https://www.trelino.com/de

Bad

Unser Bad - klein, aber oho. Die Toilette kann komplett herausgenommen werden zum reinigen. Ansonsten sitzt sie bombenfest mit Magneten an der Wand.

Alle Fenster und Klappen (Sideway, keine bezahlte Werbung)

funktionieren super und sind dicht. Auch bei Regen können wir sie öffnen ohne dass es hereintropft. Wir haben gelernt, dass dies nicht bei allen Herstellern garantiert ist. Die große Klappe über dem Bett im Heck bescherte uns sagenhafte Ausblicke auf spektakuläre Sternenhimmel und sorgte für sehr schnellen Durchzug und damit Abkühlung nach einem heißen Tag. Und regendicht ist sie auch. Top. 

Dachklappe

Direkt über unserem Bett ist eine Klappe, die sich bis 90° öffnen lässt. Hinaus gibt es einen sagenhaften Blick und die gestaute Hitze des Tages zieht schnell ab.

Unser tiefer Einstieg

ist für uns ein Must Have, weil wir wirklich easy jederzeit ein- und aussteigen können, ohne großes Theater mit Treppen ein- und aushängen usw. Ein kleines, aber wichtiges Detail für uns ist, dass wir leicht von außen an den Türgriff gelangen. Das ist nicht selbstverständlich und muss bei der Planung unbedingt besprochen werden.

tiefer Einstieg

Ohne den tiefer gelegten Einstieg wäre die Tür oberhalb der schwarzen Linie und nur über eine eingehängte Leiter zu erreichen. Wir können einfach hinunter- und hinaufsteigen ganz ohne Kletterei. Einfach Knopf drücken und unsere Treppe fährt runter oder hoch. Die Tür ist geteilt, wir können den oberen Teil ausklappen. Wichtig war uns zudem, dass wir sowohl von außen einfach an die Türklinke und das Schloß kommen, aber auch von innen. Wir finden das sehr praktisch und gut gelöst. Unser absolutes Must Have für unser Fahrzeug,

Die elektrisch ausfahrbare Treppe (AlphaDynamic, bezahlte Werbung)

die Jürgen ja vor der Reise rein präventiv erneuert hatte, hat sich wacker geschlagen. Sie sieht zwar nach dem Jahr in der Wüste mittlerweile etwas „gebraucht“ aus, funktioniert aber einwandfrei. Ganz klare Empfehlung. Auch diesem Thema werden wir noch einen eigenen blog widmen. 

AlphaDynamic hat uns mit einem großzügigen Rabatt beim Neukauf unserer Treppe unterstützt.

https://alphadynamik.de/Produkte/Trittstufen/Elektrische-Mehrfach-Trittstufe/

Treppe

Die Treppe gibt es in verschiedenen Varianten. Wir haben die dreistufige Treppe. Während unserer Reise hat sie ganz schön was mitgemacht, gefühlt 1 Million Mal hoch- und runtergefahren, Steine, Sand und Matsch erlebt. Das war ein echter Härtetest und den hat sie mit Bravour bestanden. TOP!

Tur und Treppe

Reifen und Felgen 

Kurz vor dem Reisestart hat Jürgen seine geliebten Hutchinson-Felgen eingelagert und durch Sprengringfelgen ersetzt. Grund dafür war, dass die schicken Hutchinson nur sehr schwer bis gar nicht per Hand zu montieren sind. 

Jetzt, nach der Reise, hat sich Jürgen dazu entschlossen, es bei diesen Sprengringfelgen zu belassen. Es ist unerlässlich, unterwegs auf einer Langzeitreise selber und ohne Hilfe Reifen wechseln zu können.

Gefahren sind wir mit 395/85/20er Reifen von Michelin. Für uns die beste Wahl, sowohl auf der Straße, auf Geröll und Schotter, aber vor allem im tiefen Wüstensand super. Sie haben bis jetzt rund 60.000 km gehalten und das unter schwierigen Bedingungen. Ein Reifen wurde in Saudi-Arabien ersetzt, die restlichen müssen nun so langsam runter.

Unser Fahrzeugkonzept hat sich für uns bewährt. Würden wir alles wieder so machen? Jein. So schön alles jetzt ist, wir würden sicher nicht mehr so aufwändig bauen. Das ging, weil es Jürgens Profession ist und er total Bock darauf hatte. Aber sonst würden wir nichts grundsätzlich anders machen.

Einige

clevere Lösungen,

die sich absolut bewährt haben, möchten wir euch nicht vorenthalten:

  1. Medienleiste – alles an einem zentralen Ort
  1. Klappenbeleuchtung – automatisch an und aus beim Öffnen der „Kellertür“
  1. Reserveradhalter mit hydraulischem Seilzug – einfach und genial
  1. Fach für Unterfahrkeile – wohin mit den sperrigen Dingern?
  1. Ladeeinrichtung für Fahrradakkus – ein fester Platz um während der Fahrt alles zu laden
  1. Schwerlastauszug innen unter der Sitzbank – Riesenplatz und ohne lästiges Umräumen der Polster
  1. Stauraum

-       Garderobe – alles hat seinen Platz

-       Unterm Bett, von innen zugänglich – Platz ohne Ende

-       Überm Bett, für Brille und Co – kleine, aber feine Sache

-       Hinter dem Bett, für unsere Kleidung und Wäsche – wohin mit allem

8. Markise – sturmsicher im Fach in der Kabinenwand

9. Müllsystem – Klappe in der Arbeitsplatte, Klappe außen am Fahrzeug

10. Magnete – unsere Alleskönner für Kaffeekanne, Gewürzdosen, Klo, …

11. Einstiegshilfe ins Bett - klappbare Treppe

In einem der nächsten Blogs stellen wir euch unsere Top Ten der praktischen gimmiks etwas genauer vor.

Medienleiste

In einer Medienleiste hat Jürgen zentral alle Anschlüsse platziert: Pressluft, Wasser, Gas, Landstrom. Dieses Foto entstand nach der ersten Wüstentour in die Rub al Khali. Man sieht, das Fahrzeug muss ganz schön was abkönnen...

Wer ein solches Projekt plant, also ein Fahrzeug auszubauen und abseits der touristischen Pfade und außerhalb des ADAC Bereiches zu reisen, sollte ein wirklich zuverlässiges Fahrzeug haben. Es ist grundfalsch an dieser Stelle mit dem Sparen anzufangen. Das heißt nicht Unmengen an Geld alleine für das Basisfahrzeug ausgeben zu müssen. Aber nur aus Kostengründen irgendein abgerocktes Gefährt mit mehreren Hunderttausend Kilometern auf der Uhr anzuschaffen, dieses dann oft über Monate oder Jahre aus- und umzubauen, dabei Unmengen Geld hineinzustecken, das halten wir für den falschen Weg.

Besser ist es, nach einem grundsoliden, am besten „Allerwelts“ Auto zu schauen. Und hier lieber ein paar Tausender mehr investieren und an anderer Stelle sparen.

Wir haben genau solch ein Basisfahrzeug, einen MAN L2000, Baujahr 1996, gekauft mit 64.000 km auf der Uhr, top gepflegt und gewartet. Es hat uns bisher keinerlei Probleme bereitet, lief und lief und lief. Trotzdem hatten wir während dieser Reise einige Probleme. 

Unsere „Pleiten, Pech und Pannen“:

-       Kupplungsschaden in der Türkei – Kupplung wurde erneuert

-       Verteilergetriebe in Georgien – VTG wurde zunächst repariert, musste aber dann doch komplett getauscht werden (eine vierwöchige teure Odyssee)

-       Zündschloss – wurde getauscht (Jürgen hatte tatsächlich eins als Ersatz dabei)

-       Kühlschrank Ausfall (in Kuwait bei 47 Grad im Schatten) – äußerst aufwändige Fehlersuche (bei 47 Grad im Schatten!) mit dem Ergebnis, dass zu wenig Strom ankommt und durch einen Einstellungsfehler an der Victron Anlage das nicht sofort sichtbar war. Erst so haben wir gemerkt, dass ...

-       ... eines von zwei Solarpaneelen defekt ist (da war ein Ast im Weg, also eigene Dummheit) – Solarpaneel wurde im Oman ersetzt, und die Einstellung am Victron Paneel korrekt vorgenommen (Danke Hendrik , eine Zufallsbekanntschaft im Supermarkt in Salalah, für die tolle Hilfe dabei, und den netten Abend mit euch am Coconut Beach)

-       Das neue Solarpaneel hat nicht gehalten, es war unsauber auf das alte defekte verklebt worden, fiel vom Dach und zerschellte – Solarpaneel wurde in Abu Dhabi zum zweiten Mal ersetzt, diesmal hat Jürgen selber eine provisorische Halterung gebaut

-       Starterbatterie defekt – beide wurden in Abu Dhabi ersetzt

-       Reifen abgefahren (nach insgesamt ca. 60.000 von uns gefahrenen km ist das normaler Verschleiß) – 1 Reifen wurde in Ha’Il ersetzt, alle Reifen im Ringtausch neu angeordnet, das schlechteste Rad wurde Ersatzrad. Spur wurde vermessen

-       Reifenschaden durch einen spitzen Stein in der Wüste – konnte in Tabuk repariert werden

-       Immer wieder hatten wir Luft im Kupplungssystem – musste mehrmals entlüftet werden, manchmal ging das nur in einer Werkstatt

-       Update 22. Juli 2025: alle Bremsen und die Radlager hat Jürgen komplett erneuert. Der ALB (Lastabhängiger Bremskraftregler) wurde ersetzt.

Viele Teile hatte Jürgen mit, so konnte er vieles selbst reparieren oder Teile tauschen.

 IMG 0994

 Abschleppen, die Zweite. In Georgien, Tiblissi, mit kaputtem Zwischengetriebe

Dass die Kupplung sich verabschiedet, war einfach Pech. Kann passieren. Das Thema Verteilergetriebe ist schon eine andere Geschichte. Mittlerweile wissen wir, dass das eine Schwachstelle bei unserem Fahrzeugtyp ist. Vor der Reise hat Jürgen alle Flüssigkeiten und Öle kontrolliert und getauscht. Das Getriebeöl war klar und es gab keinerlei Hinweise auf Störungen. Also auch hier: einfach Riesenpech.

Im Nachhinein betrachtet haben wir alles hinbekommen, Hilfe gefunden, reparieren können, bezahlen können. Es hätte schlimmer kommen können…

Für ungeplante Reparaturen und Notfälle hatten wir eine Reserve von 6.000€ eingeplant. Das hat NICHT gereicht. Am Ende haben wir mehr als das Doppelte gebraucht. 

Unser Fazit: 

Trotz bester Vorbereitung muss man immer mit kleinen und auch großen Schäden oder Reparaturen rechnen. Einige Ersatz- und Verschleißteile sowie geeignetes Werkzeug gehören mit auf die Reise. Es schadet nicht, wie Jürgen einiges selbst zu wissen und reparieren zu können. Wenn alle Stränge reißen, hilft das Netz, Freunde, andere Reisende und oft Locals. Irgendwie geht es immer weiter. Diese Erfahrung lässt uns heute viele Alltags „Katastrophen“ gelassener angehen.

Das Budget würden (und müssen) wir bei einer nächsten Reise aufstocken.

  1. Gesundheit und Medikamente unterwegs

Wir sind beide keine superfitten Sportskanonen, und beide sind wir mit Baujahr 1963 auch schon Oldtimer, wie unser Auto. Da bleiben alle möglichen Zipperlein nicht aus. Trotzdem ging es uns beiden gesundheitlich während der Reise so gut wie nie. Jürgen hatte gleich zu Beginn eine Entzündung am Bein, die mithilfe von Antibiotika schnell abheilte. Clelia hatte einmal eine heftige Migräne, da half Ruhe, die wir zum Glück zu dem Zeitpunkt auch hatten. Das war´s. Reisen tut uns gut.

Für unsere Dauermedikamente, unter anderem Diabetes-Spritzen, hatten wir ein internationales Rezept (Formular gibt es im Internet) unserer Ärzte. Wir hatten einen Jahresvorrat unserer Medikamente besorgt, was gar nicht so einfach war. Damit sollte man also rechtzeitig beginnen. An keiner einzigen Grenze wurde danach gefragt. Wir wissen aber, dass es problematisch sein kann, z.B. mit starken Schmerzmitteln oder auch anderen Sachen. Hier muss man sich zwingend vorher informieren.

Gute Freunde von uns, beide Ärzte und selber Reisende, haben uns eine Liste der ihrer Meinung nach Must Haves geschickt. Wichtig sind gutes Verbandsmaterial, richtig starke Schmerzmittel (Tramadol – aber Achtung an den Grenzen damit), Mittel gegen Brechdurchfall, Antibiotika.

Unsere deutsche (gesetzliche) Krankenversicherung hatten wir gekündigt, und auch keine Anwartschaft bezahlt. Hier muss man aufpassen. Wir hatten uns in Deutschland abgemeldet, nur so fallen keine gesetzlichen Krankenkassenbeiträge an. Wer in Deutschland einen Wohnsitz hat und somit angemeldet ist, muss Krankenkassenbeiträge bezahlen, derzeit ist der Mindestbeitrag ca. 200€ monatlich pro Person. Mit einer Anwartschaft erhält man sich die Möglichkeit, nach der Reise problemlos wieder in seine Versicherung einzusteigen. Diese kann aber auch 60-90€ monatlich kosten. Wir sind hier auf Risiko gegangen, vor allem weil wir ja wussten, dass wir nach einem Jahr (schon) wieder zurück und angestellt sein werden.

Unterwegs hatten wir eine Langzeit Krankenversicherung vom ADAC. Die haben wir zum Glück nicht gebraucht. Nach der Rückkehr konnten wir uns problemlos wieder bei unserer alten Krankenversicherung - der TK - anmelden.

Fazit:

Es kann immer etwas (Schlimmes) passieren, auch unverschuldet. Wir würden deshalb nie ohne eine vernünftige Langzeitreiseversicherung losfahren.

Ob wir uns wieder abmelden und wie wir das mit unserer deutschen Krankenversicherung machen würden, ist nicht so einfach zu beantworten. Für diese Reise war es gut so wie es war. Bei uns hat alles reibungslos geklappt. Es kommt auf die Dauer und das Ziel der Reise an. Man sollte sich auf jeden Fall informieren und sich Pro und Contra Abmeldung aus Deutschland gut überlegen.

  1. Internet, Navigation, Garmin und InReach, Apps

In jedem neuen Land haben wir uns als erstes mit Bargeld und einer Sim-Karte versorgt und eine (obligatorische) Autoversicherung abgeschlossen. Das war überall problemlos möglich und schnell erledigt. Für Saudi-Arabien konnte die Versicherung online mit der App Manafith sehr einfach abgeschlossen werden.

Die Kosten für Datenvolumen variieren stark, von 10€ für einen Monat Unlimited in Georgien bis 34€ für 20 GB in der Türkei. 

Wir nutzen das System 

Oyster Connect (keine bezahlte Werbung)

Außen auf dem Fahrzeugdach wird die Empfangseinheit verbaut. Hier hinein kommt die Sim-Karte (Achtung: ohne PIN einrichten lassen). Für uns ist das wegen der hinteren Klappe kein Problem. Der Router ist innen. Wir hatten immer besseres Internet damit als mit dem Handy Hotspot und sind mit dem System absolut zufrieden.

Bei anderen Reisenden haben wir einen kleinen tragbaren Router gesehen, der in eine Hosentasche passt. Das hat uns sehr gefallen, denn so hat man das Internet quasi auch unterwegs dabei, was mit unserem festen System nicht geht. Das würden wir beim nächsten Mal wohl einmal ausprobieren.

https://ten-haaft.com/internet-wlan/oyster-connect

Oyster

Die Empfangseinheit befindet sich außen auf dem Dach. Über unserem Bett haben wir eine große Klappe eingebaut, der SIM Kartentausch ist so absolut easy.

Wir haben uns vor der Reise das

Garmin Thread (keine bezahlte Werbung)

gebraucht gekauft. Für das Einrichten des Gerätes benötigten wir allerdings die wirklich sehr guten Tutorials der Pistenkuh. Es gibt wahnsinnig viele Funktionen, aber es ist kompliziert. Typisch Garmin… 

Viele Karten sind vorinstalliert, so z.B. der Irak. In Georgien hatten wir allerdings plötzlich keine Karte mehr, die muss man sich erst laden. Tja, und hier lernten wir, dass selbst ein Tutorial nicht hilft, denn das Garmin versteht sich nicht mit einem Mac. Nach mehreren zermürbenden Chat Versuchen und Mails mit dem Garmin Service wissen wir das jetzt… Hier haben andere Reisende geholfen und uns Karten von Georgien und Armenien mit ihren PC´s geladen.

Mit den Offroad Tracks der Pistenkuh war es genauso, vom Mac konnten sie nicht direkt auf das Garmin geladen werden. Auch hier half uns jemand. Die Tracks können aber in die Garmin Thread App auf dem (Apple) Handy geladen werden, und diese Daten werden dann mit dem Garmin Gerät synchronisiert. 

Unser Fazit: 

Nach viel Gefluche und blanken Nerven haben wir uns an das Gerät gewöhnt und finden es brauchbar. Es bietet viele Funktionen, keine Frage. Aber es ist nicht wirklich easy zu bedienen. Es ist relativ groß, was in unserem LKW ok ist, aber in einem Landrover vielleicht stört. Und es ist ganz schön teuer. Wir haben es jetzt und nutzen es, würden aber das nächste Mal eine kostenlose App ausprobieren, z.B. OsmAnd, Locus Map oder MapOut.

Gut finden wir, dass das Thread viele Reise-Apps enthält, z.B. iOverlander, und Infos zu Werkstätten, Banken, Supermärkten, Tankstellen usw. Man kann sich vieles gut einstellen, z.B. die Fahrzeuggröße, Routenoptionen usw. Ist das Tracken der Fahrstrecke aktiviert, kann man das nachverfolgen und z.B. denselben Weg zurückfinden (im Gelände schon manchmal praktisch). 

Schlecht ist, dass das Gerät viel Strom verbraucht. Man muss eigentlich immer das Gerät abends nicht nur ausschalten, sondern am besten noch laden. Sonst fährt man los und hat die erste halbe Stunde keine Navigation. Und natürlich könnte die Bedienbarkeit insgesamt besser sein.

Für uns ein weiteres Pro und Kaufargument für das Thread ist das darin enthaltene System 

InReach. (keine bezahlte Werbung)

https://www.garmin.com/de-DE/c/outdoor-recreation/satellite-communicators/

Damit können Textnachrichten über das 100 % globale Iridium®-Satellitennetzwerk per sms oder Mail gesendet und empfangen werden, inklusive der GPS-Standortdaten, unabhängig vom Handy Funknetz. Falls erforderlich kann über eine Taste am Gerät eine interaktive SOS-Nachricht an Garmin ResponseSM gesendet werden, ein rund um die Uhr besetztes Notfallkoordinationszentrum. 

Wir konnten unsere Familie und Freunde z.B. per sms informieren, dass wir den Iran bzw den Irak gut verlassen hatten, obwohl wir keinen Handyempfang hatten.  Und in den Weiten der Wüsten ist es schon beruhigend, dass man im Notfall immer Hilfe rufen kann. 

Für die Nutzung der InReach-Funktionen ist ein Abo notwendig. Wir hatten den Baistarif von 15€ monatlich gewählt, der monatlich kündbar ist. Außerdem haben wir unsere Notfallkontakte und eigene wichtige Daten hinterlegt. Zusätzlich kann eine Versicherung für die Kosten einer Rettungsaktion (die i.d.R. selbst bezahlt werden muss) abgeschlossen werden. Wir haben das gemacht für 45€ pro Person und Jahr.

Für uns ist InReach ein Muss auf solchen Reisen wie wir sie unternehmen. Dazu braucht es nicht unbedingt das Thread, sondern es gibt auch kleine separate Geräte dafür.

Inreach Kuwait

Solche Nachrichten konnten wir an Freunde und Familie senden, ohne Handyempfang, über Satellit. So hätten wir auch im Notfall nach Hilfe fragen können.

Inreach Bagdad

 

Mit der App

Polarsteps

https://www.polarsteps.com/StonyAdventureTravel

konnten wir unsere Lieben daheim und andere Reisenden wissen lassen, wo wir ganz aktuell sind und wie es uns geht. Je mehr man vernetzt ist, desto mehr Spaß macht es, zu schauen, wo die Anderen sind oder wer gerade in der Nähe ist.

Polarsteps

 

Das sind unsere Erfahrungen zu unserem Fahrzeug, wie wir die Bürokratie gehandhabt haben, wie wir gesund unterwegs waren, wie wir unseren Weg gefunden haben. Schreibt uns gerne eure Fragen per mail, wir lesen alle und beantworten sie ehrlich.

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Im nächsten Teil geht es um´s Geld, um Visa und Bordercrossing, und um Nelly.

 

 

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